Ermittler der AOK NordWest haben in den letzten zwei Jahren nahezu 7,5 Millionen Euro zurückgeholt. Das Beispiel zeigt, dass Ermittlungen zwar Geld kosten, sich oft aber dennoch lohnen. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Prävention.

Aktuelle Entwicklungen im Abrechnungsbetrug
Die Ermittler der AOK Nordwest waren erfolgreich. Der aktuelle Tätigkeitsbericht 2024/2025 der AOK NordWest dokumentiert einen Anstieg auf 1.670 Fälle in den Regionen Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein, was einer Steigerung von 22,6 Prozent im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum entspricht. Das ist aber nicht unbedingt ein Hinweis auf mehr Betrug, sondern vor allem auf eine erfolgreiche Ermittlungsarbeit. Denn in die Statistik gehen nur aufgedeckte Fälle ein. In diesem Kontext wurden fast 7,5 Millionen Euro an unrechtmäßig abgerechneten Geldern zurückgeholt, was fast doppelt so viel ist wie in den zwei Jahren zuvor.
Die Vorwürfe sind vielfältig: von nicht erbrachten Leistungen über gefälschte Rezepte bis hin zu erfundenen Behandlungen. Diese Entwicklungen verdeutlichen die Notwendigkeit für Unternehmen, sich mit den Risiken von Wirtschaftskriminalität auseinanderzusetzen und geeignete Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.
Praktische Bedeutung für Unternehmen
Für die AOK geht es nicht nur um viel Geld, der Betrug gefährde auch die Gesundheit von Menschen, heißt es aus der Zentrale der Krankenkasse. Denn in vielen Fällen waren Menschen tätig, die für diese Tätigkeiten eigentlich gar nicht qualifiziert waren. Bei den Abrechnungen wurden dann falsche Angaben zur Ausbildung gemacht.
In anderen Fällen waren Abrechnungen überhöht oder es wurden Leistungen abgerechnet, die nie erbracht wurden. Teilweise unter dem Namen von Mitarbeitenden, die in den entsprechenden Praxen schon lange nicht mehr tätig waren. Die AOK NordWest hebt hervor, dass die meisten Leistungserbringer korrekt abrechnen, aber einige wenige schwarze Schafe das gesamte System gefährden. Dies führt nicht nur zu finanziellen Verlusten, sondern kann auch das Vertrauen von Patienten und Versicherungsnehmern nachhaltig schädigen.
Risiken und Herausforderungen
Nicht nur Krankenkassen stehen vor dem Problem falscher Abrechnungen, sondern auch Unternehmen. Dann werden beispielsweise Reparaturen in Rechnung gestellt, die nie durchgeführt, Fahrten, die nie gemacht oder Produkte, die nie gekauft wurden. Oft sind dabei die eigenen Beschäftigten mit verstrickt. Der Betrugsdreieck-Ansatz von Donald R. Cressey verdeutlicht, dass Druck, Gelegenheit und die persönliche Rechtfertigung zentrale Faktoren sind, die zur Begehung von Betrug führen können.
Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Betrug
Unternehmen sollten präventive Maßnahmen in ihre Unternehmenskultur integrieren, um sich vor Mitarbeiterkriminalität zu schützen. Dazu gehören:
- Führungskräfte für Frühwarnzeichen wirtschaftskrimineller Handlungen sensibilisieren.
- Regelmäßige Risikoanalysen und Mitarbeiterschulungen durchführen.
- Interne Meldewege für Verdachtsfälle etablieren – anonym und vertraulich.
- Investitionen in Präventionsmaßnahmen priorisieren, bevor es zu einem Schadenfall kommt.
Ein klarer Handlungsplan kann im Ernstfall über die Reaktionsfähigkeit eines Unternehmens entscheiden. Besonders wirksam sind diskrete externe Ermittlungen, die helfen, Verdachtsmomente professionell zu klären, ohne eine Eskalation herbeizuführen.
Empfehlungen für Unternehmen
Unternehmen sollten prüfen, ob ihre internen Abläufe ausreichende Kontrollinstanzen bieten. Sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte für Frühwarnzeichen wirtschaftskrimineller Handlungen. Durch die Implementierung effektiver Präventionsmaßnahmen können Sie nicht nur finanzielle Schäden, sondern auch den Vertrauensschaden, minimieren.
Quelle: AOK Nordwest

