Die Illusion von Sicherheit: BCM-Pläne im Test

Ein schwerer Ransomware-Angriff hat die britische KNP Logistics Group getroffen und zeigt, wie gefährlich unzureichendes Business-Continuity-Management (BCM) für Unternehmen sein kann. Die Insolvenz des Unternehmens verdeutlicht die Kluft zwischen dokumentierten BCM-Plänen und der realen Handlungsfähigkeit in Krisensituationen.

Was ist passiert?

Im Juni 2023 wurde die KNP Logistics Group, zu der das traditionsreiche Transportunternehmen Knights of Old gehört, von einem massiven Ransomware-Angriff getroffen. Dieser Vorfall führte nicht nur zu erheblichen Beeinträchtigungen der zentralen Systeme, sondern auch zu einer Unterbrechung operativer Abläufe und einer Schädigung der finanziellen Position des Unternehmens. Trotz der bestehenden von Führungskräften als strategisch bezeichneten BCM-Pläne konnte die Gruppe am 25. September 2023 aufgrund der verschärften Lage und der bereits herausfordernden Marktbedingungen nicht mehr überleben und wurde nach britischem Insolvenzrecht in Administration gestellt.

Praktische Bedeutung für Unternehmen

Die Auswirkungen des Angriffs verdeutlichen, dass viele Unternehmen sich auf die formale Existenz von BCM-Plänen verlassen, ohne deren tatsächliche Wirksamkeit zu hinterfragen. Eine Umfrage zeigt, dass 92 Prozent der Führungskräfte davon ausgehen, ihre Wiederanlaufziele zu erreichen, während dies in der Realität nur 39 Prozent gelingt. Diese Diskrepanz zeigt die Dringlichkeit, die realen Abhängigkeiten und die operative Steuerungsfähigkeit zu verstehen.

Die Insolvenz von KNP Logistics ist ein Beispiel dafür, wie externe Angriffe in Verbindung mit internen Schwächen zu existenziellen Krisen führen können. Unternehmen müssen erkennen, dass die meisten Schäden durch Wirtschaftskriminalität von Mitarbeitenden verursacht werden und dass die Ursachen oft in unzureichenden internen Kontrollsystemen liegen.

Konkrete Risiken identifizieren

Unternehmen sind häufig unzureichend auf die Risiken vorbereitet, die aus der Abhängigkeit von Drittanbietern und externen Dienstleistern resultieren. In der aktuellen Studie gaben 76 Prozent der Befragten an, in den letzten zwei Jahren mindestens einen Ausfall eines Dienstleisters erlebt zu haben. Diese Vorfälle führen oft zu erheblichen finanziellen Verlusten, wobei 57 Prozent der betroffenen Unternehmen Verluste von über einer Million US-Dollar erlitten. Die Kombination von unzureichender Dokumentation kritischer Prozesse und unzureichenden Tests von Notfallplänen verstärkt diese Problematik.

Präventive Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz

Um die Resilienz zu erhöhen, sollten Unternehmen folgende Maßnahmen in Betracht ziehen:

  • Kritische Services umfassend modellieren: Abhängigkeiten und potenzielle Schwachstellen sollten in einem gemeinsamen Modell erfasst werden, um ein vollständiges Bild der betrieblichen Abläufe zu erhalten.
  • Regelmäßige Tests mit Drittanbietern durchführen: Gemeinsame Notfallübungen mit externen Dienstleistern stellen sicher, dass Kommunikationswege und Eskalationspläne im Ernstfall funktionieren.
  • AI-Risiken systematisch adressieren: Unternehmen sollten spezifische Szenarien für AI-Ausfälle entwickeln und diese regelmäßig testen, um auf neue Bedrohungen vorbereitet zu sein.
  • Unabhängige Validierungen verstärken: Regelmäßige externe Überprüfungen können „blinde Flecken“ aufdecken und die Belastbarkeit der BCM-Pläne bewerten.

Empfehlung zur Stärkung der Unternehmensresilienz

Unternehmen sollten regelmäßige Risikoanalysen und Mitarbeiterschulungen durchführen, um die Resilienz gegen Wirtschaftskriminalität zu stärken und operative Schwächen zu identifizieren. Ein klarer Handlungsplan kann im Ernstfall über Ihre Reaktionsfähigkeit entscheiden. Die Lehren aus dem Fall KNP Logistics verdeutlichen, dass eine wirksame Prävention und der Umgang mit Krisen nicht nur auf die Existenz von Plänen angewiesen sein sollten, sondern vielmehr auf die Fähigkeit, kritische Leistungen auch unter Druck aufrechtzuerhalten.

Quelle: risk.net